IFP Institut für Psychosynthese

 
 
 

Psychosynthese - Was ist das?

Psychosynthese ist eine Psychologie, die ein weites Spektrum menschlicher Lebens­bereiche einbezieht, mit besonderem Augenmerk auf der Entwicklung unseres menschlichen Potentials. Sie ermutigt und verhilft Menschen dazu

  • ihre Verständnis und ihre Wertschätzung für die Bedeutung und den Sinn des Lebens zu erweitern;
  • ihre Beziehungen zu verbessern;
  • ihre kreatives Potential zu erkennen und zu verwirklichen;

Psychosynthese integriert Konzepte und Techniken aus vielen klassischen und zeitgenössischen Ansätzen sowohl der östlichen als auch der westlichen Psychologie zu einer eigenen und vielseitigen Struktur und Methodik. Sie ist auf jeden Lebensbe­reich anwendbar: persönlich, zwischenmenschlich, beruflich und gesellschaftlich

Die Psychosynthese stellt nicht einfach ein psychisches Training dar mit dem steten Versprechen nach mehr: mehr Kompetenz, mehr Selbstsicherheit, mehr Lebensqualität. Sie ist auch keine Form von Therapie, die weniger Symptome verspricht: weniger Depression, weniger Angst, weniger Neurosen. Das Ziel der Psychosynthese ist viel mehr, vor allem die Ganzheit des menschlichen Wesens zu wecken und den Zugang zur Integration auf einer höheren Ebene zu erweitern.


Was Psychosynthese einzigartig macht, ist vor allem

  • ihre Anerkennung und Betonung dessen, dass der Mensch im wesentlichen ein transpersonales Wesen ist (die Seele oder das Höhere Selbst);
  • der hohe Wert, den sie der Intuition, der Inspiration und der kreativen Einsicht bei­misst;
  • die Entdeckung und Kultivierung das Willens als zentraler psycho-spiritueller Funk­tion; damit steigert sie unsere Fähigkeit, wichtige Entscheidungen und Wahlen zu treffen;
  • ihre Anerkennung dessen, dass der Einzelne nicht eine isolierte Wesenheit ist, sondern vielmehr eingebunden in einen umfassenden gesellschaftlichen und globalen Kontext. Besondere Bedeutung kommt dabei der Integration dieses Bewusstseins im Alltag zu.

Es gibt bestimmte Umstände und persönliche Fähigkeiten, zu denen wir uns alle mehr oder weniger bewusst hingezogen fühlen: zum Beispiel befriedigende Bezie­hungen zu anderen Menschen, Gesundheit, die Möglichkeit und Fähigkeit, freie und bewusste Entscheidungen zu treffen, unsere geistigen Fähigkeiten in vollem Umfang einzusetzen, alles was schön ist zu geniessen, in unserer Arbeit auch in kritischen Augenblicken Kompetenz und Gelassenheit und Freude, und schliesslich die Fähig­keit zu lieben.

Das sind in der Tat ehrgeizige Ziele, und doch sind es gleichzeitige Wünsche, die jeder Mensch hat, und die Essenz dessen, was die Kunst zu leben ausmacht. Kein authentischer therapeutischer oder erzieherischer Ansatz kann sie ignorieren, und Psychosynthese hat in ihren 70 Jahren der Forschung und Verifikation einfache und wirksame Werkzeuge entwickelt, die uns dabei helfen können, uns diesen Zielen zu nähern, oder zumindest die Faktoren zu verstehen, die uns daran hindern, sie zu erreichen.

Die Psychosynthese wurde von dem italienischen Psychiater Roberto Assagioli (1888 - 1974) begründet; sie verbindet ein einheitliches Konzept menschlicher Entwicklung mit einem wohldurchdachten System von Techniken zur Anwendung in den Berei­chen Therapie, Erziehung und Medizin. Sie befasst sich mit der Verwirklichung des Potentials des einzelnen Menschen und achtet dabei gleichzeitig darauf, unausgewo­genes Wachstum zu vermeiden; stattdessen arbeitet sie auf eine Harmonisierung aller Elemente der Persönlichkeit hin. Zu den angewendeten Methoden gehören Visualisierung, freies Zeichnen, Schulung des Willens, Körperausdruck, Schreiben, Desidentifikation, Meditation, Beziehungs- und Gruppenarbeit.

Bevor Assagioli die Psychosynthese begründete, war er 1910 gemeinsam mit ver­schiedenen anderen Pionieren der psychoanalytischen Bewegung Mitglied der Inter­nationalen Psychoanalytischen Vereinigung in Zürich. Er war einer der ersten, die die Psychoanalyse nach Italien brachten. Später zog er sich von Freud und dessen Lehre zurück und begründete die Psychosynthese. Seit jener Zeit hat sich die Psychosyn­these weiterentwickelt, sowohl in ihrer Theorie als auch in ihren Techniken und ihrer Ausbreitung. Mittlerweile gibt es weltweit über 50 Zentren und Institute. Diese Bro­schüre gibt eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte und Phasen der Psychosyn­these.

 

Erforschung des Unbewussten

 

Der erste Schritt in der Psychosynthese besteht im Erlangen einer gewissen Selbst­erkenntnis, die Fähigkeit, sich in der eigenen inneren Welt vertrauensvoll und mühe­los zu bewegen. Dazu müssen wir zunächst einmal mit diesem inneren Universum der Gefühle, Erinnerungen und Bilder in Beziehung treten, von dem uns unsere auf äussere Werte ausgerichtete Gesellschaft nur allzuleicht entfremdet. Die nächsten Schritte unserer Selbsterforschung bestehen darin, mit jenen Aspekten unserer selbst Verbindung aufzunehmen, die wir ins Unbewusste verbannt haben, weil sie so schmerzlich waren, dass wir sie nicht zulassen konnten, oder die mit dem bewussten Bild, das wir von uns haben, oder mit den herrschenden kulturellen Normen, unver­einbar sind.

Im Verlauf dieser analytischen Arbeit machen wir eine überraschende Entdeckung: wir sind gar kein einheitliches, unveränderbares Individuum; vielmehr stellen wir fest, dass wir eine Mischung aus miteinander im Widerspruch stehenden, sich verändern­den Elementen sind, die in der Psychosynthese als "Teilpersönlichkeiten" bezeichnet werden. Mit Assagiolis Worten: "Wir sind nicht einheitlich. Häufig hegen wir die Illu­sion, dass dem so sei, weil wir nicht mehrere Körper oder mehrere Glieder haben, und weil die eine Hand nicht gegen die andere kämpft; in unserer inneren Welt jedoch ist genau dies der Fall - unterschiedliche Elemente und Teilpersönlichkeiten liegen ständig miteinander im Widerstreit; Impulse, Wünsche, Grundsätze und Bestre­bungen befinden sich in ständigem Aufruhr."

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